Geschichtlicher Hintergrund

Deutsche U-Boote auf Helgoland
vor der südwestlichen Küste Englands und Deutsche Bucht bis Orkney Inseln
während der Zeit des 1. Weltkrieges.

Kurzer geschichtlicher Abriss -

Autor: Reinhard Öser

U-Boot-Kriegsabzeichen 1. Wk

Kriegsausbruch

Während des 1. Weltkriegs waren die 1. und 2. U-Bootflottille der Kaiserlich Deutschen Marine strategisch im Hafen Helgoland mit 24 U-Booten stationiert. Hintergrund der Stationierung war die Annahme der deutschen Admiralität, dass die britische Grand Fleet im Kriegsfall mit ihrer schlagkräftigen Armada in die Deutsche Bucht laufen würde und es hier zu entscheidenden Seegefechten mit der deutschen Hochseeflotte kommen würde.
Somit waren die deutschen U-Bootflottillen auf Helgoland Teil der Verteidigungsvorkehrungen gegen einen möglichen Ansturm der britischen Marine. Zusammen mit der Torpedoboot-Flottille operierten Sie bei Tag und Nacht auf einer Sicherungslinie ca. 35 sm vor Helgoland um rechtzeitige Warnungen vor möglichen Angriffen durch die Engländer zu melden. Gleichzeitig erhoffte sich die deutsche Admiralität bei Angriffen der Engländer, diese durch Torpedoangriffe zahlenmäßig zu schwächen. Nachdem sich diese Hoffnungen nicht verwirklichten, trat die U-Bootflottille in offensivere, strategische Aufklärungshandlungen über die Blockadelinien. Hintergrund beider Seiten, also britisches und deutsches Interesse war es, jeweils die andere Seite aufzuklären und den wichtigen Seehandel zu unterbinden um wirtschaftlichen Druck ausüben zu können, also auch das Durchbrechen der deutschen Hochseeflotte in den Atlantik zu unterbinden, welche eben auch den englischen Seehandel blockieren wollte.
Somit startete Anfang August 1914 die erste Operation vom Hafen Helgoland mit Kurs an die südöstliche nasse Flanke der Doggerbank. Ziel war es, englische Schlachtschiffe ausfindig zu machen und bei günstiger Schußgelegenheit anzugreifen um den Gegner mit allen Mitteln zu schädigen. Bei nordwestlichen Kurs, zwischen den Orkney und Shetland Inseln vor Fair Island, gab es einen Feindkontakt. Der erste Angriff verfehlte sein Ziel und die drei gesichteten britischen Kriegsschiffe zogen sich zurück. In den folgenden 3 Suchtagen ergab sich kein Kontakt mehr. U 15 unternahm auf See Reparaturarbeiten am Boot als es vom britischen Kreuzer Birmingham durch Rammstoß versenkt wurde. Nach der Operation wurde ebenfalls U 13 vermisst. Es gab verschiedene Vermutung, eine davon, dass U 13 auf eine Minensperre gelaufen ist.
Das Resümee der ersten Operation fiel für die U-Boote gegenüber der Admiralität ernüchternd aus. Man wollte den Feind schädigen und hatte selbst zwei U-Boote verloren. Man war nicht in der Lage britische Blockadestellungen ausfindig zu machen oder erkannte den Feind bei nachfolgenden Operationen nicht. Die temporäre Einschätzung der deutschen Flottenleitung war, dass die technische Leistungsfähigkeit der U-Boote noch nicht den zeitlichen Erfordernissen entsprach um lange genug auf der Lauer zu liegen. Das Potenzial der Fähigkeiten dieser neuen Waffe wurde völlig unterschätzt. Deshalb nahm man zunächst von weiteren Operationen und Sicherungsaufgaben in der Deutschen Bucht abstand.
Schon Anfang September entsandte der neu ernannte Chef der Unterseeboote KK Bauer, U-Boote mit Kurs schottische Förde, Isle of May um feindliche Schiffe anzugreifen.

Panzerkreuzer Abukier Versenkung der britischen Panzerkreuzer CRESSY, HOGUE und ABOUKIR
durch U 9, Kapitänleutnant Otto Weddingen, am 22. September 1914 vor der niederländischen Küste.
Nach einer Originalzeichnung von Hans Bohrdt
U 9

U 9, U 12, U 18, U 21, U 24 und U 27 konnten bis Ende des Jahres zahlreiche britische Schiffe versenken. Ein großes Desaster ereignete sich am 22.09.1914 vor Hoek van Holland, wobei 3 britische Panzerkreuzer durch U 9 unter Kplt. Otto Wedding versenkt wurden. Dies war ein Schock für die britische Öffentlichkeit und beschädigte das Ansehen der Royal Navy in der ganzen Welt. In sehr kurzer Zeit waren dreimal mehr britische Seeleute ums Leben gekommen, als bei der Schlacht vor Kap Trafalgar unter Vizeadmiral Nelson.
Mit einem Vorstoß bis nach Scapa Flow und dem geplanten Torpedoangriff durch U 18, hätte es fast zu einem Kräfteausgleich zwischen der kaiserlich deutschen Marine und der Grand Fleet führen können. Doch das britische Schlachtgeschwader verließ Scapa Flow um einen eigenen Vorstoß in Richtung Nordsee zu unternehmen. Die demoralisierende Wirkung der deutschen U-Boote gegenüber der britischen Marine war höher als ihre Schiffsverluste. Das lag dem damaligen Chef der Grand Fleet, Admiral Jellicoe schwer im Magen. Allein der Gedanke das deutsche U-Boote in den ungesicherten Verteidigungsbereich der Grand Fleet, durch die drei Zugänge von Scapa Flow vordringen konnten und Schiffe versenken würden, veranlaßte ihn in Panik um die Flotte, diese an die Nordküste Irlands zu verlegen. Die Rechnung ging für die kaiserlich deutsche Marine auf. Es konnten mit wenigen U-Booten in See, zahlreiche feindlichen Kräfte gebunden werden. Admiral Scheer führte damals aus: ... dass das deutsche Flottenkommando genauso wie der Gegner von den Fähigkeiten der U-Boote überrascht waren und der erste Beweis der Seeausdauer geliefert war... Die ursprüngliche Konzeption des U-Bootes als Küstenverteidigungselement, wandelte sich beschleunigend hin zur leistungsfähigen, tödlichen Offensivwaffe mit mehr Potenzial für Fernaufgaben und umfassende Angriffe gegen den britischen Seehandel.

Seeblockade als Handelskrieg

Dem damaligen Chef des Admiralstabes, Admiral von Pohl kamen Bedenken hinsichtlich des ihm unterbreiteten radikalen Vorschlages, die U-Boote als neues strategisches und offensives Machtmittel der Seekriegsführung gegen England einzusetzen und dabei noch das international Seerecht bei der Vernichtung feindlicher Handelsschiffe gemäß der deutschen Prisenordnung zu berücksichtigen. Er wollte auch zu bedenken geben, dass es zu versehentlichen Versenkungen von neutralen Handelsschiffen führen könnte, was zusätzliches politisches Konfliktpotenzial auf internationaler Ebene hervorrufen würde.
Diese ganzen Bedenken und auch die Führung des eingeschränkten U-Bootkrieg wurden jedoch ausgeräumt, als Großbritannien Anfang November 1914 die gesamte Nordsee zum Kriegsgebiet erklärte.
Großbritannien als Seemacht kehrte den Spieß mit seiner Erklärung um. Damit nahm es das Recht in Anspruch, Versorgungstransporte mit Rohstoffen und Lebensmitteln durch deutsche und neutrale Handelsschiffe nach Deutschland und den anderen Mittelmächten mit einer Seeblockade zu belegen und auszuhungern. Diese Maßnahmen verstießen zwar gegen das Völkerrecht, doch konnte sich Großbritannien durch zahlreiche Vereinbarungen mit den neutralen Staaten einen offenen Protest weitgehend entziehen.
Die sehr wirksame Seeblockade führte im Deutschen Reich zu bedrohlichem Rohstoffmangel und zur Lebensmittelknappheit. Aufgrund der Aussichtslosigkeit, die britische Sperre im offenen Seekrieg zu bekämpfen, forderte die deutsche Marineleitung bald den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Die wirtschaftliche Kriegsführung wurde damit von beiden Seiten gezielt auch gegen die Bevölkerung eingesetzt, um den militärischen Erfolg zu erzwingen.
Faktisch mußte darauf folgen, dass Deutschland ebenfalls mit einer Bekanntmachung vom 04. Februar 1915, die Gewässer rings um Großbritannien und Irland einschließlich des Englischen Kanals zum Kriegsgebiet erklärte. Auf Grund der noch zu klärenden Auswirkungen auf Handelsschiffe, welche mit einer Kriegslist neutrale Flaggen verwendeten um sich einer Versenkung zu entziehen, wurde der uneingeschränkte U-Bootkrieg bis zum 22.Februar aufgeschoben. Das hatte auch wesentlichen Einfluß auf wirtschaftliche Verluste der USA bei Importgeschäften aus Großbritannien, die Deutschland darauf hin unter politischen Druck setzten.
Somit entwickelte sich die Situation dahin, dass sich die beiden stärksten Seemächte der Welt auf die Führung eines Seekrieges einließen, bei dem jeder versuchte, die andere Nation bis zur Unterwerfung, an den Rand der Existenz zu bringen.

Propagandaplakat Propagandaplakate aus der Zeit des 1. Weltkriegs
die auf die Problematik der Auswirkungen des Handelskrieges
mit der entstehenden Rohstoff- und Lebensmittelknappheit hinweisen.
Plakat gegen U-Boote

Offensiven gegen die Schifffahrt

Zusammenfassend kann man die U-Bootoffensiven in drei zeitliche Bereiche gliedern.
Die erste Offensive ausgehend vom Stützpunkt Helgoland mit Beginn Anfang Januar 1915 bis Anfang Januar 1916.
Hierzu muß bemerkt werden, dass sich die technische Entwicklung des Seefunks noch in der Entwicklung befand und die U-Bootkommandanten auf Helgoland etwas von der restlichen Welt abgeschnitten waren. Das hatte zur Folge, dass das Flottenkommando keine so richtige Kontrolle über die U-Bootwaffe mehr ausübte und der Prozess des U-Boothandelskrieges von den U-Bootkommandanten etwas zeitlich vorweggenommen wurde.
Die Marineoffiziere hatten keine politische Ausbildung, sondern widmeten sich mehr dem Wesen des Dienstes. Sie verschwendeten auch keinen Gedanken an die Politik und den Folgen ihres Tun´s, beim verschießen von Torpedos auf feindliche Ziele. Deshalb hatten die Versenkungen von französischen, britischen, norwegischen und amerikanischen Handelsschiffen keine positive Resonanz insbesondere bei den Amerikanern hervorgerufen, obwohl Deutschland Zusicherungen einer Neutralität gab.
Realistisch betrachtet wurden in den Offensiven natürlich nicht nur zahlreiche feindliche Schiffstonnage versenkt. Auch die deutsche U-Bootflottille verlor Boote. Ergo mußten neue U-Boote der Flottille zugeführt werden. Somit wurden modernere und größere U-Boottypen der UB und UC Klassen mit unterschiedlichen Verwendungszwecken in Dienst gestellt.
Das im Landkriegsverlauf besetzte Belgien, ermöglichte der Kaiserlichen Marine bessere strategischen Ausgangsorte der neu aufgestellten U-Bootflottille Flandern mit der Nähe zur englischen Küste und dem englischen Kanal.
Die ursprünglich kalkulierte damalige Fertigungszeit eines U-Bootes in Sektionsbauweise wurde auf 4 Monaten veranschlagt. Auf der Germaniawerft Kiel wurde die Bauzeit auf bemerkenswerte 75 Tage verkürzt. Trotz der relativ kurzen Fertigungszeit eines U-Bootes, korrelierte die Anzahl in Dienst gestellter U-Boote nicht mit der angedachten Anzahl, aus einem Kriegsvorbereitungsentwurf heraus von 222 Stück, um eine wirksame Blockadestellung rund um die Küste der Britischen Inseln zu bewirken.
Die Realität sah jedoch so aus, dass nur eine überschaubare Anzahl von U-Booten sich vor wenigen britischen Häfen platzieren konnten. Das es Verluste von Handelsschiffen geben würde war den Briten bekannt. Aber auf Grund der rund 4000 Handelsschiffe, welche die britischen Häfen pro Monat anliefen oder verließen, war dies nur den Effekt eines Mückenstichs, wie das der damalige erste Seelord der Admiralität W. Churchill vor dem Unterhaus bemerkte.
Bei dieser etwas zu stark unterschätzten deutschen U-Bootwaffe, unterließen die Briten zunächst den notwendigen Aufbau einer geeigneten U-Bootabwehr.
Von den deutschen U-Booten wurden im Kriegsjahr 1915, 636 Schiffe mit 1.191.704 Brt. versenkt. Eigene U-Boot Verluste wurden mit 22 beziffert.
Als besondere, in der Geschichte bekannt gewordene Versenkung war die zur Cunard Linie gehörende "Lusitania" mit 30.396 Brt. Das Schiff wurde am 7.Mai 1915 durch U 20 torpediert. Dabei verloren 1.198 Menschen ihr Leben. Darunter zahlreiche Amerikaner, was für Deutschland nicht ohne Folgen blieb. Es hagelte ein politisches Notengewitter u.a. von Präsident Wilson nieder. Unter anderem wurde die sofortige Einstellung des U-Bootkrieges aus verschiedenen Gründen des Anstandes verlangt. Die deutsche Regierung beugte sich nicht dem Druck und hielt an ihrer Überzeugung zusammen mit dem Admiralstab fest, dass eine Entscheidung zur See nur durch den U-Bootkrieg erzielt werden kann und die britische Vorherrschaft zur See in Frage stellen würde.
Die erste Offensive gegen den Seehandel scheiterte, weil sich die britischen und neutralen Reeder nicht von den deutschen U-Booten einschüchtern ließen. Ein weiterer Grund war der "Arabic - Zwischenfall", bei dem ein britischer Passagierdampfer versenkt wurde, bei dem wieder Amerikaner, entgegen der deutschen Zusage an amerikanischen Präsident Wilson diese Schiffe den neutralen Status einzuräumen, ums Leben kamen. Die politischen Beziehungen zu Amerika bewegten sich auf den Nullpunkt zu und erzeugten erheblichen Druck. Somit stellte Deutschland am 18.September 1915 auf Befehl des Chefs des Admiralstabes v. Holzendorff den U-Bootkrieg an der britischen Westküste und Kanaleingänge ein. In der Nordsee durfte nur nach den Regeln der Prisenordnung verfahren werden. Somit wurde die U-Bootflotte zurückgezogen und der U-Bootkrieg kam in diesem Kriegsgebiet zum erliegen.
Es wurde auf einen kleineren Kriegsschauplatz gewechselt, dem Mittelmeer.
- Auf Grund der anderen geographischen Lage wird dieses Konfliktgebiet nicht weiter thematisch ausgeführt, weil es mit unserem eigentlichen Expeditionsziel - "Rund um Helgoland" nichts zu tun hat.-

1. Wk Plakat Passagierfähre Sussex Passagierdampfer Lusitania

Die zweite Offensive kann in den Zeitraum Februar bis April 1916 eingeordnet werden. Abgesehen vom Kriegsschauplatz des Heeres mit der Schlacht um Verdun, die ebenfalls im Februar 1916 mit einer Großoffensive gegen die Festung begann, welche den Kriegsgegner Frankreich in einen Abnutzungskrieg verwickelte und zum Ausbluten führen sollte.
Der zweite Vorschlag des Kriegsministeriums und dem damaligen Chef des Generalstabes, General von Falkenhayn zielte darauf ab, den U-Bootkrieg in heimischen Gewässern wieder aufleben zu lassen und noch härter zu führen um den Kriegsgegner Großbritannien so abzuschrecken, dass er am Beispiel des verbündeten Frankreich sieht, wohin die Kampfhandlungen führen und somit zum Frieden bereit sein würde.
Zu dieser Zeit gelang es trotz taktischer Beschränkungen den 35 deutschen U-Booten im Monatsdurchschnitt ca. 80.000 BRT an gegnerischen Handelsschiffsraum zu versenken. Bei einer angenommenen Verdoppelung der U-Bootkräfte könnten man mathematisch betrachtet doppelt soviel Schiffsraum monatlich versenken. Demgegenüber stand der enorme Ausstoß von neugebauten Handelsschiffsraum auf den britischen Werften. Somit war die Schlußfolgerung des damaligen Chefs des Admiralsstabes v. Holtzendorff:... Wenn man mehr Schiffe warnungslos im Rahmen eines uneingeschränkten U-Bootkrieges versenkt als auf den Werften gebaut werden, könnte man den Gegner Großbritannien innerhalb von 6 Monaten in die Knie zwingen... Den möglichen Kriegseintritt der USA verlor man dabei aus den Augen, was ein zusätzlicher Feind Deutschlands bedeuten würde und in den totalen Ruin führen könnte. Somit war der Gedanke an einen uneingeschränkten U-Bootkrieg und dessen internationalen Konsequenzen für Deutschland zunächst vom Tisch. Letztendlich wurde das mit einem Machtwort vom Staatoberhaupt Kaiser Wilhelm II. unterstrichen. Trotzdem ereignete sich zum dritten Mal ein Zwischenfall, der eine weitere diplomatische Krise einschließlich einer Kriegsdrohung der USA hinaufbeschwor. Entsprechend einer Garantievereinbarung sollten Passagierschiffe von den Versenkungen ausgenommen werden. Auf der Kanalroute zwischen Folkesstone und Boulogne ereignete sich am 24. März 1916 ein Zwischenfall bei dem UB 29 die französische Passagierfähre "Sussex" kurz vor dem Hafen Dippe mit einem Torpedo versenkte. Unter anderen Opfern, verloren auch wieder amerikanische Staatsbürger ihr Leben.
Deutschland geriet unter erheblichen internationalen politischen Druck, sodass nur noch Handelskrieg nach Prisenordnung geführt werden durfte. Erst wenn klar wurde, ob das aufgebrachte Schiff u.a. zu einer kriegsführenden Nation gehörte, konnte es versenkt werden. Die Folge war, dass der U-Boothandelskrieg nicht mehr rechnerisch die Erfolge brachte, die man sich erhoffte. Der neue Chef der Hochseestreitkräfte Admiral Reinhard Scheer setzte auf innenpolitischen Druck und rief die in See stehenden Frontboote zurück in die Häfen, was ein Erliegen der zweiten Offensive zur Folge hatte. Gründe dafür waren, dass sich die U-Boote bei der Kaperung von Handelsschiffen größeren Gefahren ausgesetzt waren. Z.B. durch getarnte Q-Schiffe selbst versenkt zu werden. Bedauerlicher Weise ging die Rechnung von Admiral Scheer nicht auf bzw. erzeugte nicht den erhofften innenpolitischen Druck, was zur Abdankung des Reichskanzlers Bethmann Hollweg führen sollte. Man ging einfach wieder zur Tagesordnung über, die Überlegenheit der Grand Fleet weiter herabzusetzten. Man hoffte wieder auf einen Sieg der deutschen U-Boote, welcher sich mit mehr Booten, durchaus realistisch gestaltete.
Die neue Strategie, einen Versuch zu unternehmen das im Stärkeverhältnis überlegene Großbritannien in den Würgegriff zu nehmen bestand darin, die Grand Fleet in einen Hinterhalt (Skagerakschlacht) zu locken um dann das Kräfteverhältnis durch einen U-Bootangriff neu zu ordnen.
Versenkungserfolge gingen auch gezielt auf die zahlreichen Minensperren, die von den U-Booten der Typen UE 1 und UC, vor der Küste Großbritanniens, der Themsemündung, im englischen Kanal und Flandern verlegt wurden.

Die dritte Offensive umfäßt den Zeitraum von Oktober 1916 bis Januar 1917. Insgesamt verfügte die Kaiserliche Marine auf allen Kriegsschauplätzen über knapp 100 U-Boote. Während der zweiten Offensive waren 8 U-Boote als Verlust zu verzeichnen gewesen. Durch die Zuführung von neuen U-Booten des Typs UB und UC II zur Flandern Flottille, war der Aktionsradius größer geworden, was nun Operationen bis an den Westausgang des Englischen Kanals sowie der gesamten französischen Küste ermöglichte was den lebenswichtigen englisch-französischen Kohlehandel mit vielen Schiffsverlusten empfindlich störte. Dazu kamen weiter deutsche Minensperren vor der englischen und französischen Küste und zahlreichen Kanalhäfen in der Biscaya und Girondemündung in Südwest Frankreich.
Mitte Oktober 1916 kam vom Chef des Admiralsstabes der Befehl, den U-Boothandelskrieg nach Prisenordnung wieder aufzunehmen. Das Einsatzgebiet wurde erweitert und verlief von der Biskaya bis zur spanischen und portugiesischen Küste. Gleichzeitig wurde die Ostküste der USA mit Fernoperationen belegt. Wobei erste Versenkungen außerhalb der amerikanischen Hoheitsgewässer erfolgten, was wiederum zu diplomatischen Spannungen führte. Somit zogen die deutschen U-Boote in Richtung arktische Gewässer um den Handelstransport im speziellen von Munition zwischen England und Russland, mit Zielhafen Archangelsk, zu stören. Neben direkten Schiffsversenkungen im Nordmeer auf der Linie Nordkap bis Murmansk, erfolgten vor der Halbinsel Kola umfangreiche deutsche Minenlegeoperationen.
In der Bilanz der dritten Offensive wurden ca. 1,6 Mio. BRT am Handelsschiffsraum versenkt, was 768 Schiffe entsprach. Im Verhältnis zu den zahlenmäßigen Versenkungen und eigenen Verlusten von 10 Booten, kann man die dritte Offensive als erfolgreicher betrachten. Ein Grund dafür war, dass sich die Anzahl der Frontboote im Gegensatz zu Kriegsbeginn vermehrt hatte. Somit erzielten die deutschen U-Boote einen Versenkungserfolg von 30 Prozent der Frachtleistung, was sehr einschüchternd wirkte. Der damalige britische erste Seelord brachte es auf den Punkt:... Die deutschen U-Boote stellen eine ernst zu nehmende Gefahr für die Versorgung Englands da. Wenn das so weiter gehen würde, wäre England zur Annahme von Friedensbedingungen gezwungen werden, was ihren Erwartungen und Bestrebungen nicht entsprechen würde... Kurz gesagt, sollen neue Angriffsmethoden her, um den deutschen U-Booten Einhalt zu gebieten.
Zunächst wurden neue Minensperren vor der englischen Küste als Schutzwall ausgeführt, wobei die Anzahl der gelegten Minen für einen effektiven Schutz bei weitem nicht ausreichten. Weiterentwicklungen auf der Basis erbeuteter deutscher Seeminen und Veränderungen bei den Wasserbombentypen und deren Werfern, neue 19,1 cm Haubitzen sowie neue akustische Geräte zur Unterwasser U-Bootortung, Flugzeuge und Luftschiffe in der Küstenüberwachung waren vielversprechend. Jedoch stellte diese Neuerungen einzeln oder im Zusammenspiel kein Allheilmittel gegen die getauchten deutschen U-Boote im ausgedehnten Seegebiet dar.

Hindenburg-Wilhelm II.-Ludendorff Hungersnot 1916/17 Versenkung eines engl. Handelsschiffes

Der uneingeschränkte U-Bootkrieg

von Anfang Februar bis April 1917 setzte mit der vollen Energie und äußerster Anstrengung an allen Fronten mit 105 U-Booten ein. Es war die letzte Chance, England zum Frieden zu zwingen und war somit kriegsentscheidend. Der Landkrieg war an allen Fronten auf Grund der zahlenmäßigen Überlegenheit der Alliierten nicht zu Gewinnen. Auch mit der innere Situation Deutschlands stand es nicht zum Besten. Die englische Seeblockade zeigte ihre Wirkung bei der Entscheidungsfindung der OHL. Zwar hatten die Soldaten an der Front noch Verpflegung, jedoch hungerte das deutsche Volk zuhause, was sich mit dem Steckrüben-Winter von 1916/17 im Volksbewußtsein einbrannte, der Moral verheerend schadete und zur Erschöpfung der städtischen Bevölkerung führte. Hohe Kindersterblichkeit, Hunger und Kälte setzte dem Volk zu.
Ausgehend war der Beschluß des Kronrates von Januar 1917, welcher durch die energischen Forderungen von Hindenburg und Ludendorf beeinflußt wurde, sodass sich selbst der Chef des Admiralsstabes v.Holzendorff, Reichskanzler v.Bethmann Hollweg und der deutsche Kaiser in der Konsequenz zustimmten. Man übergab praktisch vollends die politische Macht an die Oberste Heeres Leitung. Der U-Bootkrieg ist somit die letzte Karte um England in die Knie zu zwingen und ihren Vernichtungswillen zu überwinden. So bemerkte Admiral Scheer fortführend:... dass wenn dies nicht gelingen sollte, der Erschöpfungskrieg Deutschland in die sichere Niederlage führen wird...
Von Februar - März versenkten die deutschen U-Boote 977 Schiffe mit knapp 2 Mio. BRT bei eigenen Verlusten von 10 U-Booten. Die Konsequenz und entscheidende Folge des uneingeschränkten U-Bootkrieges war, der Kriegseintritt der USA am 6.April 1917. Das war eine Reaktion auf die Versenkung von amerikanischen Handelsschiffen. Der eigentliche Grund war aber ein Anderer. Bekanntgeworden ist er unter dem Zimmermann - Telegramm. Ein abgefangenes und von den Engländern dechiffriertes Telegramm des deutschen Auswärtigen Amtes an die mexikanische Regierung.
Unter Beurteilung der Lage und der Versenkungserfolge der deutschen U-Boote, kam man in der britischen Admiralität zur Schlußfolgerung, dass das Land vor einer Niederlage stand. Der damalige Admiral Jellicoe äußerte sich zu seinen amerikanischen Verbündeten dahin gehend, dass es so aussieht, als ob die deutschen den Krieg gewinnen, wenn die Schiffsverluste nicht gestoppt würden, welche die alliierten Streitkräfte an allen Fronten mit Nachschub versorgten. Damit stand auch die Seeherrschaft Großbritanniens auf dem Spiel. Die Erfolge im Verlauf des uneingeschränkten U-Bootkrieges von Mai - Juni 1917wurde durch die Zuführung von weiteren U-Booten begünstigt. Somit standen 126 U-Boote an allen Fronten in See. Der Schwerpunkt lag auf den Südwestzugängen des Handelsverkehrs Englands und später im Verlauf des Seekrieges in Richtung Azoren und weiter hinaus in den Atlantik. Die Bilanz 795 Versenkungen mit insgesamt 1.8 Mio. BRT. Die eigenen Verluste an U-Booten betrugen 15 Boote. Geschuldet neuer englischer U-Boot Abwehroffensiven durch Zerstörer und U - Jagteinheiten rund um Schottland mit überschaubaren Erfolgen. Die Versorgungslage Großbritanniens wurde immer prekärer, denn die durchschnittlichen Versenkungserfolge der deutschen U-Boote von 300.000 BRT pro Monat bedeutete, das bald nicht mehr genügend Schiffsraum für den Handelstransport bis Dezember 1917 zur Verfügung stehen würde. Statistisch gesehen würde Großbritannien unmittelbar vor der Niederlage stehen. Die letzte Chance für Großbritannien noch die Oberhand zu behalten war die Einführung des Geleitzug-Systems mit einer größeren Anzahl von Handelsschiffen.
Der Verlauf vom Sommer bis Ende 1917 war dahingehend gekennzeichnet, dass sich das eingeführte Geleitzugsystem für Großbritannien auszahlte. Die ungünstige Verlagerung des Operationsgebietes der U-Boote im Herbst in Richtung Küstengewässer hatte ein Fallen der Versenkungen zur Folge, da es sich dabei hauptsächlich um Einzelfahrer handelte. In den 5 Monaten wurden 798 Schiffe mit insgesamt 2 Mio. BRT versenkt. Das bedeutet statistisch, dass die Überlebenschance für Konvoifahrer zum Einzelfahrer bei 1:15 lag. Damit war die schlimmste Gefahr für Großbritannien gebannt, jedoch waren die Verluste trotzdem immer noch höher als die Schiffsneubauten. Auch die geforderten Versenkungen von 600.000 BRT pro Monat wurden von den deutschen U-Booten in den Küstengewässern nicht erreicht. Das Blatt schien sich gegen Deutschland zu wenden. Admiral Scheer setzt auf eine Vermehrung von U-Booten um wieder an alte Versenkungserfolge anknüpfen zu können. Das hatte zur Folge, dass es im Reichsmarineamt zu neuen Aufträgen für deutsche Werften kam und bis Ende 1919 insgesamt 119 neue U-Boote ausgeliefert werden sollen.

Das Kriegsjahr 1918 bis November

war von britischer Seite mit Offensivmaßnahmen, z.B. der Fertigstellung der Abriegelung der Nordsee durch zwei riesige Minensperren gekennzeichnet. Einmal quer zur Str. von Dover wo ca. 25.000 Minen bis Kriegsende verlegt wurden. Die deutschen U-Boote benutzen diese Verkehrswege um in die Einsatzgebiete vom Atlantik bzw. in den Golf von Biskaya zu gelangen. Die zweite Minensperre, als Nordsperre bekannt, zog sich von den Orkneys bis an die norwegische Küste wobei sich diese Unternehmung strategisch gesehen als nicht befriedigend im Ergebnis zur Versenkung von nur 4 deutschen U-Booten erwies. Hintergrund waren die Tiefenverhältnisse bis zu 280 m. Dazu wären ca. 200.000 Minen erforderlich gewesen, die durch die englischen und amerikanischen Schiffe verlegt werden sollten. Tatsächlich wurde bis Kriegsende nur rund 71.000 Minen verlegt. Auf Grund der Empfindlichkeit der amerikanischen Magnetminenkonstruktion (Mark VI) detonierten zahlreiche gelegte Minen im Dominoeffekt was große Schlupflöcher entstehen ließ. Dazu kamen umfangreiche Patrouillenfahrzeuge als Tag und Nachtüberwachung um die deutschen U-Boote in die Minenfelder zu zwingen und zu vernichten. Als Defensivmaßnahme wurde das Geleitzugsystem von Handelsschiffen weiter praktiziert. Dabei kamen zur Konvoiabsicherung U - Jagtschiffe zum Einsatz, welche nicht in der ausreichenden Anzahl vorhanden waren um einen erforderlichen Schutz zu gewährleisten, welche außerdem durch das nicht vorhanden sein effektiver UW-Ortungssysteme oft im Hintertreffen waren. Trotzdem war die Wirksamkeit der Geleitzüge im Verhältnis zu den Versenkungen ein effektives System. Dazu kam, dass oft einzeln operierende U-Boote mit durchschnittlich 12 mitgeführten Torpedos, nicht alle Geleitzüge verfolgen konnte und somit die Anzahl der Angriffe auf Handelsschiffe beschränkt waren. Somit konzentrierten sich die deutschen U-Booten auf das Küstengeschäft was höhere Versenkungszahlen versprach.
Die Verluste bei den deutschen U-Boote im 1. Quartal 1918 beliefen sich auf 24 Einheiten. Neu zugeführt wurden 27 Boote. Damit blieben die Hoffnungen auf eine Steigerung der Versenkungserfolge in der Ferne. Ein Punkt war u.a. das neuerdings auch Küstengeleitzüge zum Schutz der Handelsschiffe eingerichtet wurden, wo vorher noch fette Beute von den deutschen U-Booten gemacht wurde. Unterstützend wirkte sich auch die zusätzliche Luftraumüberwachung der Küste durch Luftschiffe und Flugzeuge aus. Die deutschen U-Boote vollzogen einen Strategiewechsel und gingen auf Nachtangriffe über. Trotzdem blieben die großen Versenkungserfolge aus und die Anzahl der Neubauten von Handelsschiffen nahm gegenüber den Versenkungen wieder zu.
Ein Scheitern der U-Bootoffensive war nicht mehr auszuschließen. Abgesehen von den 45 deutschen U-Bootverlusten und seinen erfahrenen Kommandanten seit Beginn des Jahres 1918, war die deutsche Admiralität nicht in der Lage eine geeignete Strategie gegen die Geleitzüge zu entwickeln um England in die Knie zu zwingen. Zwar gab es erste experimentelle Ansätze einer Gruppentaktik, welche sich später im 2. WK noch als Rudeltaktik entwickelte, waren aber nicht effizient genug.
Ein weiterer Punkt welcher ein Scheitern offensichtlich machte war, dass sich das kaiserliche Deutschland mit den USA anlegte, den uneingeschränkten U-Bootkrieg gegen die amerikanischen Truppentransporte nach Europa entfachte und somit auch die USA zum Kriegseintritt provozierte. Es konnte durch die OHL nicht verhindert werden das ca. 2.000.000 amerikanische Soldaten bis Kriegsende an der Westfront landeten. Strategisch war man mit den wenigen U-Booten praktisch machtlos auf dem 1.400 sm breiten Atlantikstreifen zwischen Neufundland bis Gibraltar effektiv anzugreifen. Es ähnelte einem "Hase und Igel" Spiel. Das erkannte auch General Ludendorff von der OHL, nachdem am 8. August 1918 die Gegenoffensive der alliierten Truppen begann. Es setzte der Rückzug der deutschen Truppen ein. Die Deutsche Niederlage war unumgänglich. Widerstand baute sich auf, ähnlich dem Beispiel wie in Russland. Deutschland ersuchte um Waffenstillstandsverhandlungen. Am 20. Oktober 1918 gingen alle in See stehenden deutschen U-Boote in ihre Stützpunkte. Ein letzter verzweifelter Versuch des Flottenchefs der kaiserlichen Marine Admiral Hipper noch einmal einen taktischen Erfolg gegen die Grand Fleet zu erzielen und einer Kapitulation aus dem Wege zu gehen. Am 30.Oktober 1918 sollte die Operation gegen England beginnen. Jedoch verhinderten Meutereien in Wilhelmshaven und auf verschiedenen Großkampfschiffen bei Schillig - Reede das Vorhaben. Die Matrosen wollten nicht mehr sinnlos geopfert werden.
Am 3. November begann der Kieler Matrosenaufstand. Das Ende des ersten Weltkrieges war unabsehbar.

Wilhelm II. Kieler Werftbataillon Kieler Matrosenaufstand

Alliierte Gegenmaßnahmen

Es galt als Überlebens wichtig die dicht befahrenen Handelszugänge zu den britischen Inseln und der gesamten irischen See vor den Angriffen der deutschen U-Boote zu schützen. Hierzu wurden verschiedene Sicherungsmaßnahmen ergriffen, welche sich auf ein Seegebiet mit der Ausdehnung von über 20.000 sm erstreckten. Zu Beginn des Seekrieges erwiesen sich die meisten Methoden als verhältnismäßig unwirksam. Dabei kamen verschiedene, kleine und größere Schiffstypen in den offensiven Patrouillendiensten zum Einsatz. Anfänglich noch 450 Booten wurde die Patrouillenflotten bis zu über 3000 Boote aufgestockt und in 23 Bereiche aufgeteilt, welche mit Sprengleinen oder mit Sprengparavanen zum Schleppen ausgerüstet wurden.
Weitere Schutzmöglichkeiten war die Ausbringung von 22 Minensperren mit über 7000 Seeminen in englischen Kanal oder 90 m lange Netzsperren bzw. 20 sm lange Balkensperren mit mehreren Tonnen Gewicht. Die Effektivität auch dieser Mittel war nicht hoch. Es kam vor, dass sich Netzsperren in der rauen See verknoteten und unbrauchbar wurden. Durch vorherrschende Gezeiten wurden Minen an der Oberfläche sichtbar. Zirka 4000 Minen wurden auf Grund des zu geringen Ankergewichtes zu Treibminen die eine Strecke bist zu 20 sm zurücklegten und an der niederländischen Küste wiedergefunden wurden. Somit detonierten sehr viele Minen auf Grund technischer Probleme nicht.
Wirksamere entwickelte britische Gegenmaßnahmen kamen erst Anfang Januar 1916 zum Einsatz. Die neu aufgestellte U - Boot - Jagtflottille in Form von Handelsschiffen welche mit Artilleriegeschützen ausgerüstet waren, fungierten als U-Bootfallen. Die über 700 auf den Schifffahrtrouten kreuzenden Q-Schiffe waren zusätzlich auch noch mit akustischen Unterwassermikrofonen ausgestattet, die Propellergeräusche von U-Booten auffassen sollten. Diese konnten jedoch nur bei Schiffsstillstand eingesetzt werden um in der Nähe befindlichen U-Boote ausfindig zu machen. Dabei wurden sie selbst oft zum Versenkungsziel, was diese technische Erfindung zunächst als nutzlos gelten lies.

Q-Ship

Prinzip eines Q-Schiffes.

Als Handelsschiff getarnt
und ausgerüstet mit versteckter
Artillerie um deutsche U-Boote
aus einem Hinterhalt anzugreifen
und zu versenken.

Ein weiteres wirksames Mittel gegen die U-Bootgefahr waren zwei im Sprengladungsgewicht unterschiedliche Wasserbombentypen, welche auf 12 bzw. 24 m Wassertiefe einstellbar waren. Da die deutschen U-Boote jedoch technisch schlecht ortbar waren, erwiesen sich die Wasserbomben als nicht besonders effektiv zumal sie nicht in den erforderlichen Stückzahlen zur Verfügung standen.
Bis Ende 1916 waren ca. 3000 Patrouillenschiffe unterschiedlichster Art in den britischen Küstengewässern zum Schutz der Handelswege und zur Bekämpfung von deutschen U-Booten unterwegs. Die Erfolge mit durchschnittlich 0,46 versenkten deutschen U-Booten/mtl. waren recht überschaubar. Dementsprechend wurde weiter aufgerüstet und z.B. bis zum Frühjahr 1917 ca. 2800 Handelsschiffe mit Artilleriebewaffnung ausgerüstet um den Kampf gegen aufgetauchte deutsche U-Boote zu führen. Auch hier wurde die besondere Effektivität durch die Einführung des uneingeschränkten U-Bootkrieges vorweg genommen weil die deutschen U-Boote getaucht blieben und Torpedos einsetzten.
Auch ein weiterer Versuch der britischen Admiralität eine weitere fest verankerte U-Boot - Durchfahrtsperre mit Minen und Netzen in der Straße von Dover bis zur belgischen Küste zu verlegen, erwieß sich als Sieb und erfüllte selbst Ihren Zweck mit tief stehenden Minen nicht, wie der damalige Befehlshaber vom Seebereich - Dover Command vorher sagte. Allein die Instandhaltung der Sperre benötigte viele Kräfte.
Die Einführung von nochmals drei neuen Gegenmaßnahmen waren fast ein Akt der Verzweifelung des britischen Empires gegen die deutschen U-Boote.
Als seemächtige Nation setzte man auf: .

Das Kriegsende, eine Bilanz und die Bedingungen der alliierten Waffenstillstandskommission

Das Kriegsende zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten wurde mit dem Waffenstillstandsvereinbarung am 11. November 1918 um 11.00 Uhr in Compiègne nach 1.586 Kriegstagen vereinbart und machte eine Wiederaufnahme von Feindseligkeiten faktisch unmöglich, was einer Kapitulation Gleich kam. Was folgte war das umfangreiche Vertragswerk der "Versailler Vertrag", dieser in fast dreimonatiger Geheimverhandlung unter den vier Hauptsiegermächten ausgehandelt wurde. Als Kriegsschuldiger wurde Deutschland im Rahmen des sog. Kriegsschuldparagraphen § 231, für die den Siegern erwachsenen Kriegsschäden verantwortlich gemacht. Neben den enormen deutschen Gebietsabtretungen von 70.570 km² incl. 7,3 Mio. Einwohner, belastete Deutschland im Moment mit einer noch nicht zu begrenzenden Verpflichtung zu Reparationszahlungen.
Die Gesamtsumme der durch das Deutsche Reich erfolgten Zahlungen beträgt nach deutschen Angaben 67,7 Milliarden Goldmark, nach den alliierten Berechnungen aber nur 21,8 Milliarden Goldmark. Die Differenz erklärt sich durch eine unterschiedliche Bewertung zahlreicher Leistungspositionen. Selbst wenn die Gesamthöhe der erfolgten Zahlungen unklar bleibt, steht fest, dass das Deutsche Reich erhebliche Sachleistungen und Geldbeträge erbracht hat. Die letzte Rate wurde nach 92 Jahren durch das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen am 3. Oktober 2010 in Höhe von 69,9 Millionen Euro bezahlt.

Quelle dhm Germania am Marterpfahl Quelle dhm

In der Bilanz von 51 Kriegsmonaten, wurden von den deutschen U-Boote 6.395 Schiffe mit 11.948.702 BRT der Welthandelstonnage versenkt. Dabei wurden von den 320 im Einsatz befindlichen U-Booten hauptsächlich Torpedos, Seeminen, Artillerie und andere Sprengladungen bei 3.274 Einsätzen zum Einsatz gebracht.
Die Eigenverluste beliefen sich auf 178 Boote. 5.132 U-Bootmänner fielen, starben an Verletzungen oder wurden als vermisst gemeldet. Dies entspricht einem Verhältnis von 1:30. Dabei verzeichnete Großbritannien die größten Verluste und trug damit die Hauptlast. Gegen die die deutschen U-Boote kämpften 140.000 alliierte Soldaten mit 3.000 Zerstörern, 35 U-Booten mit 550 Flugzeugen, 75 Luftschiffen und 4.000 Hilfsfahrzeugen.
In der Konsequenz des Seekrieges hatten die deutschen U-Boote der Kaiserlichen Marine den britischen und alliierten Seehandel in sehr große Schwierigkeiten manövriert und fast an den Rand der Niederlage gebracht. Wenn auch von den Alliierten Anstrengungen unternommen wurden, die U-Boot Gefahr in den Griff zu bekommen, so waren trotz alle dem die Erfolge der U-Boote während des ersten Weltkrieges erheblich.
Das U-Boot als taktische Waffe hatte das Großkampfschiff zwar nicht abgelöst, ist aber zu einem ernst zu nehmenden Faktor im Seekrieg geworden.
Der erfolgreichste U-Bootkommandant Kapitänleutnant Lothar von Arnauld de la Perière versenkt allein 194 Handelsschiffe mit insgesamt 453.716 BRT.
Die Zahlen und Fakten weisen eindeutig darauf hin, dass es dem U-Boot allgemein gelungen war, seine Existenzberechtigung als strategische Waffe nachzuweisen. Sie zeigen aber auch, wie hoch, unerbittlich und grausam der Einsatz der rivalisierenden Marinekräfte untereinander war. Somit eröffnete U 20 der Kaiserlichen Marine eine unheilvolle Tradition mit der Versenkung der Lusitania in der Seekriegsführung, die in weitere Kriegsverbrechen der deutschen Kriegsmarine im 2. Weltkrieg fortgeführt wurde.

Die Bedingungen des Waffenstillstandsvertrages fokussierten in erster Linie die erhebliche Gefahrenquelle der deutschen U-Boote auszuschalten. So wurde im Kapitel des Versailler Vertrages vom 28.Juni 1919 Teil V. bestimmt, "die Einleitung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung aller Nationen zu ermöglichen, verpflichtet sich Deutschland, die im folgenden niedergelegten Bestimmungen über das Landheer, die Seemacht und die Luftfahrt genau innezuhalten". Entsprechend Abschnitt II.- Bestimmungen über die Seemacht. - mußte Deutschland u.a. seine verbliebenen 176 U-Boote an die Alliierten ausliefern. Großbritannien bekam 105, Frankreich 46, Italien 10, Japan 7, USA 6 und Belgien 2 U-Boote.
Dazu regelt der Artikel 191. - Der Bau und der Erwerb aller Unterwasserfahrzeuge, selbst zu Handelszwecken, ist Deutschland untersagt.-

III. U-Boot-Halbflottille   Aufruf

Das Prozedere war so erniedrigend, dass man von deutscher Seite beabsichtigte die Selbstversenkung aller U-Boote herbeizuführen. Letztlich wurde das jedoch unter Androhung der Alliierten, die Insel Helgoland auf Dauer zu besetzen, die man doch gerade vor knapp 30 Jahren von England durch den Sansibar-Helgoland Vertrag eingetauscht hatte, im Falle das Deutschland seine U-Boote nicht ausliefern sollte. Das war ein sehr schmachvolles Ende der Elite von U-Bootfahrern.

Versailler Vertrag - zum Nachlesen

Hierzu weiterführend, Artikel 193.
- Mit Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrags hat Deutschland unverzüglich die Räumung der Minen innerhalb folgender Zonen der Nordsee östlich von 4° 00' östlicher Länge von Greenwich in die Wege zu leiten:-
Deutschland hat diese Zonen frei von Minen zu halten. Deutschland hat ebenso diejenigen Zonen der Ostsee, die ihm späterhin durch die Regierungen der alliierten und assoziierten Hauptmächte bezeichnet werden, von Minen zu säubern und freizuhalten.

Quellenangabe:
Kurs West, Tarrant Motorbuch 1998
U-Boot und U-Jagt, Militärverlag 1989
U-Boote, Lankowski, Militärverlag 1987
Ereignisse und Gestalten, Wilhelm II. Koehler Lpz.1922
Kriegskalender und Kriegsdepeschen, Dt. Verlagshaus Bong 1915
Fotoquellen: dhm, Bundesarchiv, Internet.


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